Liebe Freunde der DGKV, liebe Interessierte an den kontextuellen Verhaltenswissenschaften

Die Zeit, in der wir leben ist voller Herausforderungen. Wir können Vor- und Nachteile einer globalisierten Welt zum Teil persönlich erleben und in den verschiedenen Medien mitverfolgen.

Die ACBS (Association of Contextual Behavioral Science) wurde 2005 im Nachhall der Ereignisse vom 11. September 2001, welche die Welt erschütterten, gegründet. Ein zentrales Anliegen des Gründungskommittees war, eine weltweite Gemeinschaft von Studenten, Lehrern, Wissenschaftlern, Praktikern und anderen zu bilden, denen die gedeihliche Entwicklung der Menschheit am Herzen liegt. Mittels Orientierung an kontextuellen Verhaltenswissenschaften und einer starken Verbindung von Grundlagenwissenschaft, angewandter Wissenschaft und Praxis wird seither angestrebt, das Leiden von Mensch, Gesellschaft und Natur besser zu verstehen und zu lindern und langfristig nützliches menschliches Verhalten für eine bessere Welt, in der alle in Freiheit und Würde leben können, zu nähren und zu fördern.

Bereits vor der offiziellen Gründung der ACBS wurde 2003 die erste Weltkonferenz in Schweden abgehalten. Dieses Jahr findet vom 20.-25 Juni in Sevilla die 15. Weltkonferenz mit einem besonderen Schwerpunkt in RFT (Relational Frame Theory = Bezugsrahmentheorie) statt.

Bereits 1999 ist das erste ACT-Buch erschienen, nachdem Steven Hayes, Kelly Wilson, Kirk Strohsal und andere bereits längere Zeit intensiv daran geforscht haben, wie aufbauend auf dem radikalen Behaviorismus, der angewandten Verhaltensanalyse, einem lerntheoretisch begründetem Verständnis von Sprache (der Bezugsrahmentheorie), sowie der methodischen Integration von wirksamen verhaltenstherapeutischen und erlebnisorientierten Interventionen ein Ansatz geschaffen werden kann, der geeignet ist, menschlichem Leiden in unserer Zeit adäquat zu begegnen und die Verhaltensflexibilität sowohl des Einzelnen als auch von sozialen Gruppen zu fördern.

Seit 1999 wurden viele Bücher zu ACT und RFT veröffentlicht – zunehmend auch mit deutscher Übersetzung und von deutsprachigen Autoren – und die Anzahl an Forschungspublikationen ist stetig am Steigen. ACBS zählt weltweit mittlerweile über 8000 Mitglieder und es gibt mehr als 40 offizielle nationale oder überregionale „Chapter-Organisationen“, die Wachstum und Verbreitung von ACT, RFT und den „ACBS-Werten“ unterstützen.

Die DGKV, gegründet 2012 an den 3. Winterthurer ACT-Tagen ist eines dieser Chapter. Seit 2010 finden – dank der Leidenschaft und der initiierenden Kraft von Jan Martz, einem beherzten Team in Winterthur und weiteren engagierten ACT`lern – auch im deutsprachigen Raum ACT-Tage statt. Nach Winterthur, Berlin, Basel und Graz werden sie dieses Jahr vom 10.-12. November 2017 in Weinheim an der Bergstrasse, stattfinden. Das Motto dieses Kongresses, der von der DGKV in Kooperation mit dem IF Weinheim, insbesondere Hagen Böser organisiert wird, lautet „ACT verbindet“. (Informationen zum Kongress und Anmeldung auf www.dgkv.info.)

Es freut mich sehr, dass als internationale Referentin Dr. Yvonne Barnes Holmes, Gründungsmitglied der ACBS, Assistenzprofessorin für Verhaltensanalyse an der Universität Ghent in Belgien, RFT-Forscherin und ACT-Therapeutin seit 19 Jahren mit Schwerpunkt auf klinischer Anwendung der Bezugsrahmentheorie, für zwei Workshops und einen Vortrag zugesagt hat.

In der ACT verbinden sich funktionaler Kontextualismus, die klinische Anwendung der Bezugsrahmentheorie, funktionale Analyse und Verhaltenstherapie sowie die Integration anderer therapeutischer Ansätze auf methodologischer Ebene, sofern sie dem Ziel, psychologische Flexibilität zu fördern, dienen. ACT und CBS (Contextual Behavioral Science) haben eine verbindende und integrierende Kraft, die auf TherapeutInnen mit verhaltenstherapeutischer, humanistischer, systemischer und tiefenpsychologischer Grundausrichtung gleichermassen anziehend wirkt und die WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen unterschiedlicher Berufsgruppen, Berufserfahrene und StudentInnen zusammenbringt. Die „ACT- bzw. CBS-Community“ ist ein lebendiger Ort für Forschung, Austausch, Inspiration, Kreativität, Kooperation und Wachstum.

Die DGKV ist ein junges und noch kleines Chapter der ACBS. Wir sind interessiert daran, im deutschsprachigem Raum ebenfalls eine wachsende Gemeinschaft von Menschen zu bilden, die die Werte der ACBS teilen und sich gegenseitig unterstützen. Der jährlich sich erneuernde Vorstand möchte gemeinsam und engagiert mit den Mitgliedern Rahmenbedingungen schaffen, welche die Verbreitung und die Entwicklung der kontextuellen Verhaltenswissenschaften im deutschsprachigem Raum fördern. Ich denke, dass seit der Gründung 2012 gute Aufbauarbeit geleistet worden ist und spannende Jahre vor uns liegen. Wir möchten von Herzen alle, die Interesse haben, einladen und ermutigen, Ideen einzubringen, in den Arbeitskreisen (Kommunikation, Weiterbildung und Recht) mitzuarbeiten und die Homepage als Plattform für Information und Vernetzung mitzugestalten.

Kommt nach Weinheim! Nutzt die Möglichkeit, Euch zu vernetzen, Euch auszutauschen, voneinander zu lernen und über den Tellerrand zu schauen. Der Kongress in Weinheim ist eine hervorragende Möglichkeit, unsere Gemeinschaft mit Leben zu füllen, nicht nur in den Workshops, dem Vernetzungstreffen und der Mitgliederversammlung, sondern auch bei der Morgenmeditation, beim gemeinsamen Mittag- und Abendessen, in den Pausen, beim Feiern und Tanzen.

Geplant ist an den ACT-Tagen in Weinheim auch die Bildung einer Interessensgemeinschaft innerhalb der DGKV zum Thema „ACT im (teil-)stationären Setting“. Initiiert wurde dies von Charles Benoy, Leitender Psychologe der Verhaltenstherapiestation der Universitätsklinik in Basel. Im April 2012 wurde für diese Station ACT als therapeutische Grundorientierung gewählt und ein stationäres Behandlungskonzept rund um ACT entwickelt. Seither wenden immer mehr stationäre Abteilungen und Tageskliniken in der Schweiz und in Deutschland ACT in Teams an. Die Bildung einer SIG (special interest group) soll dem Austausch von Arbeitserfahrungen und der Vernetzung dienen, um so gegenseitig voneinander lernen zu können.

Wenn Ihr und Eure Einrichtungen Interesse an einer solchen Vernetzung habt oder wenn Ihr KollegInnen kennt, die im (teil-)stationären Rahmen auf irgendeine Art mit ACT arbeiten, freuen wir uns, wenn Ihr uns das mitteilt (an vorstand@dgkv.info). Wir möchten im Namen der DGKV möglichst viele stationär und teilstationär arbeitende KollegInnen einladen, nach Weinheim zu kommen, um die SIG offiziell zu lancieren.

Charles Benoy in der Schweiz (Charles.Benoy@upkbs.ch) und Roland Burian (r.burian@keh-berlin.de) in Deutschland stehen für Nachfragen und Rückmeldungen diesbezüglich zur Verfügung.

Wir möchten Euch bitten, wenn Ihr die Ankündigung des DGKV Kongresses 2017 „ACT-verbindet“ weiterleitet und breit streut. Sagt es Euren Bekannten, FreundInnen, KollegInnen, dass man sich auf www.dgkv.info informieren und anmelden kann.

 

Ich freue mich auf persönliche Begegnungen in Weinheim an der Bergstrasse!

 

Herbert Assaloni

  1. Vorsitzender, DGKV