Berichte über neue Forschungsprojekte

(Claudia China)

1.Überprüfung der Umsetzung und Implementierung eines verhaltensmedizinisch kardiologischen Rehabilitationskonzeptes
PD Dr. D. Benninghoven, Dipl.-Psych. (Projektleiter), Dr. C. China, Dipl.-Psych., Dr. Friedrich Schroeder, Prof. Dr. Eike Hoberg
Mühlenbergklinik – Holsteinische Schweiz, dieter.benninghoven@drv-nord.de
Die psychische Befindlichkeit hat entscheidenden Anteil an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Herzerkrankungen. Insbesondere Depressivität und Angst aber auch Ärger sowie Erschöpfung häufig infolge von Stressbelastungen spielen dabei eine Rolle. Die psychische Befindlichkeit der Rehabilitanden findet in der regulären kardiologischen Heilbehandlung bislang nur begrenzte Berücksichtigung. Ausgehend von dieser Situation wurde in der Mühlenbergklinik ein Konzept zur Rehabilitation von Patienten mit kardiovaskulärer und komorbider psychischer Erkrankung oder Beeinträchtigung erarbeitet (Benninghoven et al., 2016). Das Konzept ist angelehnt an das Anforderungsprofil und das Rahmenkonzept der Deutschen Rentenversicherung Bund für die verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR, DRV-Bund, 2015, 2016) und wurde von der Deutschen Rentenversicherung Nord (DRV-Nord) und der DRV-Bund als verhaltensmedizinisch kardiologische Rehabilitation (VMK) anerkannt. Eine Belegung der Mühlenbergklinik durch diese Kostenträger für die VMK findet seit 2017 statt.
Überprüft wird, inwiefern die Umsetzung den im Konzept (der psychotherapeutische Ansatz basiert auf ACT) beschriebenen Vorstellung entspricht. Dazu werden im Wesentlichen die Reichweite, die erbrachten und die wahrgenommenen therapeutischen Leistungen sowie die Genauigkeit der Umsetzung untersucht. Ferner wird überprüft, ob die nach dem VMK-Konzept erbrachten therapeutischen Leistungen mit mehr Akzeptanz und besserer Bewältigung der kardiologischen Erkrankung und mit einer verbesserten psychischen Befindlichkeit der Rehabilitanden einhergehen. Die Implementierungsstudie stellt einen ersten Schritt in der wissenschaftlichen Begleitung der Einführung der Verhaltensmedizinischen Kardiologie dar. In einem zukünftigen zweiten Schritt wird die Evaluation der VMK angestrebt.

2. Wirksamkeit der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) bei Rehabilitanden mit chronischen Rückenschmerzen
Dr. Karin Meng,

k.meng@uni-wuerzburg.de
3 VOR-Rehabilitationseinrichtungen, 2 weitere Kontrolleinrichtungen
– Argentalklinik
– Mühlenbergklinik – Holsteinische Schweiz
– Rehazentrum Bad Pyrmont
Ziel ist die Prüfung der Effektivität der VOR bei Rehabilitanden mit chronischen Rückenschmerzen und VOR-Indikation unter Berücksichtigung differenzierter psychologischer Gruppenprogramme.
HF1: Wie ist die kurz-, mittel- und langfristige Wirksamkeit der VOR bei Rehabilitanden mit chronischen Rückenschmerzen und VOR-Indikation im Vergleich zur orthopädischen Rehabilitation (OR)?
HF2: Welche Effekte bestehen für die jeweiligen psychologischen Gruppenansätze – KVT-Gruppe, ACT-Gruppe oder ZRM®-Gruppe in nerhalb der VOR?
Multizentrische, quasi experimentelle Kontrollgruppenstudie

30 Mon.

Wir in der Mühlenbergklinik werden die ACT-Bedingung sein 🙂

ACT wirkt!

Ein Artikel zu Forschungstätigkeiten im Bereich der kontextuellen Verhaltenswissenschaften von Dr. med. Marie Christine Dekoj

In bisher 135 kontrollierten randomisierten Studien wurden 10.000 Patienten beforscht (Gloster, Stand März 2016) 66% psychisch erkrankter Menschen sprechen auf KVT (Goldstandard) an – 33% sprechen nicht an. Von diesen profitieren jedoch ca. 80 % von ACT. Diese Ergebnisse sprechen für sich und belegen, dass ACT nachweislich wirksam ist. Doch Forschung darf nicht stehen bleiben, sondern sollte sich immer weiter entwickeln.

Forschung bedeutet für mich, immer wieder Dinge neu zu ergründen, nichts als selbstverständlich zu nehmen, immer wieder zu hinterfragen; neue Perspektiven einnehmen, im Diskurs sein. Aber auch Bestätigung zu bekommen, für die Therapiemethoden, die wir verwenden; dass wir beobachten und messen können, dass sie hilfreich sind. Dies begeistert mich sehr. Vielleicht bin ich der Erforschung der Wirkmechanismen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie besonders zugetan, da ich die besondere Gelegenheit hatte, im Rahmen eines Forschungsprojektes bei Prof. Andrew Gloster in die ACT einzusteigen. Und vielleicht geht es nicht nur mir so, dass der Name Andrew Gloster und ACT-Forschung fest verbunden sind. Er bringt die Erforschung der Effektivität und Wirkung von ACT gerade im deutschsprachigen Raum sehr voran.  Daher möchte ich ihm und seinen Projekten auch einen gewissen Platz einräumen. Ein ausführlicher Bericht zu Andrew Glosters aktuellen Forschungsprojekten und seinen Gesichtspunkten wird Ende November auf dgkv.info erscheinen.

Dieser Artikel soll aber auch der Anfang einer Zusammenstellung möglichst aller Forschungsgruppen und –aktivitäten sein, die es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt. Ähnlich der Liste auf der Homepage der ACBS, die einen umfassenden Fundus birgt, die gut gepflegt und immer aktuell ist, möchten wir auf den Seiten der DGKV sowohl eine Übersicht über Forschungsaktivitäten als auch über Veröffentlichungen erstellen.

Daher hier der Aufruf an alle, sich aktiv einzubringen: Wer forscht, untersucht, veröffentlicht? Wir möchten nicht nur große Projekte, sondern alle Aktivitäten listen. Denn auch kleine Arbeiten sind ein Beitrag ACT im Wissenschaftskreis bekannt zu machen und die Berechtigung von ACT als Therapiemethode weiter zu festigen.

Gerne möchte ich selber ein paar Worte über ein anstehendes Projekt in Ulm berichten: Gemeinsam mit Prof. Nicolas Rüsch werden wir die Auswirkungen einer Kurzintervention mittels ACT auf das Befinden von Langzeitarbeitslosen mit psychischen Störungen untersuchen. Dazu werden Probanden mittels Randomisierung einer Interventions- und einer Kontrollgruppe zugeteilt.  Es sollen unter anderem Variablen wie Symptombelastung, Lebensqualität, Motivation Arbeit zu finden, Einstellung zu Behandlungsteilnahme u.ä. erfasst werden. Im nächsten Newsletter dann hoffentlich mehr.

 

Weitere Ideen zum Wofür dieser Seite:

– Welche Bedeutung hat die Forschung für ACT? Was zeigt sie, wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt und was leistet sie für die tägliche Praxis?
– Aktuelle Forschung beschreiben
– Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zugänglich machen
– ACT gegen Burnout (Michael Waadt) bekannt machen
– Themen für Magisterarbeiten als Einladung an Studenten sammeln und verteilen
– Mitgliedern Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen im Bereich Materialien ermöglichen.