Eindrücke von den ACT-Tagen 2016 in Graz

gesammelt von Kristin Heiber und Mareile Rahming

Rund 130 deutschsprachige ACT-interessierte Therapeuten und Kliniker trafen sich vom 10.- 12.  März in der Kulturhauptstadt Graz, um sich über den aktuellen Stand in Therapie und Forschung auszutauschen. Eingeladen, organisiert und begleitet wurden wir von unseren österreichischen Kongress-Gastgebern Wolfgang Springer und Wolfgang Pipam von ACT-Ö und IUP, die uns bereits in ganz kleiner Runde und familiärer Atmosphäre am Mittwochabend willkommen hießen.

Der Kontext bot alles, was ein gelungener Kongress braucht: Die Kulturhauptstadt Graz mit Museen und hervorragenden kulinarischen Angeboten, ein Hotel, das den insgesamt rund 130 TeilnehmerInnen der diesjährigen ACT-Tage ausreichend Zimmer für die Teilnehmer und Räume für die verschiedenen Workshops und Vorträge sowie Aufenthalts- und Pausenbereiche für Begegnungen zwischen den Veranstaltungen zur Verfügung stellte. Für einen guten Start sorgte ein reichhaltiges Frühstück und für das körperliche Wohlergehen gab es einen Spa-Bereich und Fahrräder für Ausflüge in die Innenstadt oder die Umgebung zu mieten.

Pre-Conference-Workshops

Nach der Begrüßung durch den Vorstand der DGKV am Donnerstagmorgen verteilten sich die TeilnehmerInnen auf die Pre-Conference-Workshops: eine Einführung in die ACT (von Jan Martz, Herbert Assaloni und Valerie Kiel), ACT für Fortgeschrittene (Rainer Sonntag), sowie FAP und ACT (Norbert Schneider).

„Der zweitätige Workshop beim ACT-Pionier und – wie ich schon sagen möchte ACT-Weisen – Rainer Sonntag „ACT für Fortgeschrittene“ war eine große Bereicherung mit praktischer Auffrischung und Intensivierung bekannter ACT-Konzepte und interessanten Diskussionen u.a. zur Frage „Was sind Emotionen in ACT?“. Als besonders hilfreich habe ich die kleinschrittige Erarbeitung von kreativer Hilflosigkeit und Einladung zu Akzeptanz in Interview-Form erlebt und die Erinnerung daran, dass es bei der Vermittlung von ACT-Kompetenzen immer um die Vermittlung ihrer Flexibilität geht. Nicht „Was ist richtig?“ sondern „Was ist wann wofür nützlich?“ – besonders eindrücklich als es um Selbst-als-Kontext ging. Die Notwendigkeit des Einsatzes von Achtsamkeit im therapeutischen Prozess haben mir v.a. die Übungen zu „ACT-Sensibilitäten“ wieder einmal verdeutlicht. Auch wenn der Workshop sich an Fortgeschrittene wendete wurde mir einmal mehr bewusst, wie sehr ich mit ACT immer(noch) Lernende bin und hoffentlich auch bleibe.“ (Mareile Rahming)

„Der eintägige Pre-Workshop „Bewusstheit, Mut und Liebe: FAP und ACT und die therapeutische Beziehung“ bei Norbert Schneider erfüllte nicht nur, eventuelle aufgrund der Ankündigung entstandene Erwartungen, sondern übertraf diese sogar. In angenehm entspannter Arbeitsatmosphäre schaffte es Norbert Schneider, den Teilnehmern diesen zu ACT perfekt passenden Therapieansatz, der den Fokus auf die Therapiebeziehung und somit interpsychische Prozesse legt, sowohl inhaltlich als auch von der sehr menschlichen Haltung her nahe zu bringen. In kleinen Übungssequenzen, welche sich in die unterhaltsame und anschauliche Präsentation natürlich einfügten, konnten die Teilnehmer erste eigene Erfahrungen mit FAP und die Anwendung für ihre Arbeit sammeln. Es wurde viel gelacht und gleichzeitig war für alle Fragen, auf die Norbert Schneider mit großer Geduld, Fachkenntnis und Professionalität einging, viel Raum. Als Fazit blieb: FAP und ACT sind zwei Seiten einer Medaille. Mit diesen zwei Ansätzen der kontextuellen Verhaltenswissenschaften lassen sich breite und flexible Verhaltensmuster auf eine Art und Weise fördern, die es Menschen ermöglicht, mehr das Leben zu leben, das sie leben möchten. Der Workshop hat Lust auf eine tiefere Beschäftigung mit FAP gemacht.“ (Kristin Heiber)

Vernetzung, Mitgliederversammlung und Fest

Am Donnerstagabend trafen sich Kolleginnen aus einzelnen Initiativen zur Vernetzung zum regem Austausch, mit Offenheit und Orientierung auch auf die überregionale Zusammenarbeit. Es passiert viel allerorten und es war anregend zu erleben, mit wie viel Begeisterung, Engagement, Kreativität und Ideen sich alle Gruppen um Vernetzung, Teilen und Entwicklung bemühen. Eine Frage, für die wir in allen Vernetzungskontexten Antworten suchen war, wie wir das Engagement Einzelner noch mehr fördern und (positiv) verstärken können. Mehr zu den regionalen Gruppen (Link)

Auf der DGKV-Mitgliederversammlung am Freitag vor dem Kongress-Fest  wurden u.a. Ideen für den nächsten Kongress im Herbst 2017 in Weinheim zusammengetragen und ein Organisationskomitee benannt. Der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit wurde erweitert um ein paar Köpfe, die sich für den Newsletter stark machen wollen. Infos und Beschlüsse aus der Mietgliederversammlung hat Hagen Böser bereits verschickt und sie sind auf der DGKV-Homepage für Mitglieder einsehbar.

Beim Kongress-Fest am Freitagabend gab es Gelegenheit, Verbindungen zu knüpfen und zu pflegen untermalt von Live-Musik, zu der später am Abend noch ausgiebig getanzt wurde.

Fachtagung

Zur Fachtagung am Sonnabend gab es eine Reihe packender Vorträge. Es wurde berichtet, wie in  ganz unterschiedlichen Bereichen ACT in den jeweiligen Kontext integriert wird; wie z.B. Prof. Dr. Peter Hofmann, Graz, der die ACT in der modernen Psychosomatik einsetzt, oder Dr. Erwin Parfy, Wien, der sich viele Gedanken über die ACT und seinen Schwerpunkt Schematherapie gemacht hat. Prof. Dr. Anton Laireiter, Salzburg, gab einen umfassenden Überblick über Akzeptanzarbeit in der Psychotherapie und Dr. Andrew Gloster, Basel, CH, USA, berichtete sehr kurzweilig über die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen beim klinischen Einsatz der ACT. Beate Ebert, Aschaffenburg, referierte eindrücklich und berührend über soziale Implikationen der ACT und ihre Arbeit mit Gewaltopfern in Westafrika und mit Flüchtlingen in Deutschland.

Zu den Folien der Vorträge und Workshops geht es hier

Am Sonnabendnachmittag konnten in verschiedenen Workshops Kompetenzen vertieft werden: „ACT in der multimodalen Behandlung chronischer Schmerzen“, Wolfgang Pipam, Klagenfurt, A & Wolfgang Springer, Klagenfurt, A; „Achtsamkeit bei MBSR und bei ACT“, Helmut Renger, Graz, A; „Selbstkontexten. Übungen für die Praxis“, Johanna Schriefer, Göttingen, D & Anne Rotthaus, Kiel, D; „Schäm Dich! Vom Umgang mit Scham in der therapeutischen Beziehung“, Ralf Steinkopff, Berlin, D & Herbert Assaloni, Winterthur, CH; „Achtsamkeit und Positive Psychologie“ Philip Streit, Graz, A; „The Compassionate Therapist. Die Therapiebeziehung mutig und wirksam gestalten“ Miriam Tanner, Uster, C.
Hervorheben möchte ich den Workshop „Fallkonzeptualisierung leicht gemacht“, in dem Valerie Kiel, Maastricht, NL, sehr lebendig und pragmatisch die Anwendung der Matrix als Tool zur Fallkonzeptualisierung vermittelte – sehr hilfreich in der Praxis!

Beate Ebert fasste den Kongress zusammen:  „Wie wir das von unseren ACT-Kongressen kennen, war die Stimmung fröhlich, entspannt und freundschaftlich. […] Es war eine gelungene, sehr bereichernde Tagung und wir vom Vorstand der DGKV freuen uns, dass wir jetzt eine breitere Basis von Mitgliedern und Unterstützern in Österreich haben. Herzlichen Dank an die beiden Wolfgangs und an alle, die zum Gelingen beigetragen haben.“ Dem können wir nur zustimmen.

Wer für den nächsten Kongress 2017 in Weinheim, noch Anregungen hat oder sich an der Vorbereitung beteiligen möchte, kann sich an das Organisationskommitee unter Leitung von Herbert Assaloni (herbertassaloni(at)bluewin.ch) wenden.